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"Verfahren entspricht der jahrelangen Praxis"    [Ändern]

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VERFASST VON Marc Schaber, 12. Juni 2026

Der Saarländische Fußballverband (SFV) muss innerhalb weniger Monate bereits den dritten Rücktritt eines Funktionärs verkraften – und das nur kurze Zeit nach der Neuaufstellung des Präsidiums. Diesmal betrifft es den Fußball-Kreis Ostsaar. Dessen Vorsitzender Thomas Stopp legte sein Amt unmittelbar nach der Wahl der neuen Verbandsspitze nieder und bringt seine Entscheidung direkt mit dem Verbandstag am Samstag, den 6. Juni 2026, in Neunkirchen in Verbindung. Nur wenige Stunden nach der Wahl von Lars Diedrich zum neuen SFV-Präsidenten informierte Stopp die Vereine seines Fußballkreises per E-Mail über seinen sofortigen Rückzug. In dem Schreiben, das der Saarbrücker Zeitung vorliegt, erläuterte er die Beweggründe für diesen Schritt. Darin heißt es unter anderem: „Es ist in letzter Zeit immer wieder vorgekommen, dass ich persönlich für Entscheidungen, welche ich nicht zu verantworten hatte, mit übler Nachrede förmlich bombardiert wurde.“
Nach seinen Angaben habe sich der Gedanke an einen Rücktritt bereits über einen längeren Zeitraum entwickelt. Den endgültigen Ausschlag habe jedoch der Verbandstag gegeben. Dort sei das Wahlverfahren kurzfristig geändert worden, ohne die anwesenden Delegierten zuvor einzubeziehen. Für Stopp sei damit „das Maß voll“ gewesen. Zunächst sei die Abstimmung per App erfolgt, später sei während der Veranstaltung auf eine Abstimmung per Handzeichen umgestellt worden.
Genau dieser Vorgang habe ihn letztlich dazu bewogen, die Konsequenzen zu ziehen. In seiner E-Mail wirft er die Frage auf, ob die Verantwortlichen möglicherweise „Angst vor vielen Gegenstimmen“ gehabt hätten und deshalb während des laufenden Wahlvorgangs die Vorgehensweise änderten. Gleichzeitig erklärte er seinen sofortigen Rücktritt von sämtlichen Funktionen innerhalb des Verbandes. Neben seinem Amt als Kreisvorsitzender war Stopp bislang auch als Klassenleiter der Landesliga Ost tätig.
Der SFV bestätigte auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung den Eingang der Rücktrittserklärung. Verbandssprecher Michael Scholl erklärte, der Verband habe die Entscheidung „mit Bedauern zur Kenntnis genommen“. Stopp habe sich über viele Jahre hinweg mit großem Einsatz für den Fußball engagiert, wofür ihm der Verband danke. Zudem sagte Scholl: „Wir bedauern seine Entscheidung sehr und hätten uns gewünscht, die von ihm angesprochenen Punkte in einem persönlichen Gespräch gemeinsam zu erörtern.“
Den Vorwürfen hinsichtlich des Wahlverfahrens widerspricht der Verband jedoch. Laut Scholl sehe die Geschäftsordnung vor, dass Wahlen „nicht geheim stattfinden, wenn nur ein Kandidat zur Wahl steht“. Für das Amt des Präsidenten habe mit Lars Diedrich lediglich ein Bewerber kandidiert. Auch Thomas Stopp selbst sei bei den Kreis- und Kreisjugendtagen Ostsaar per Akklamation, also durch Handzeichen, gewählt worden. Scholl betonte: „Das Verfahren entspricht der jahrelangen Praxis bei der Durchführung von Gremiensitzungen beim SFV.“ Gleichzeitig kündigte der Verband an, sich „zeitnah“ um eine Nachfolgeregelung zu kümmern, um die Aufgaben im Ostsaarkreis sowie in der Landesliga Ost weiterhin zuverlässig wahrnehmen zu können.
Der 57-jährige Stopp war erst Ende April in seinem Amt bestätigt worden. Dem Fußball-Kreis Ostsaar gehören nach Angaben des Verbandes 74 Vereine mit insgesamt 108 Herrenmannschaften an. Hinzu kommen 356 Jugendteams. Für die Sicherstellung des Spielbetriebs stehen 332 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter zur Verfügung. Beim Verbandstag hatten 484 Delegierte über die Nachfolge von Heribert Ohlmann entschieden, der nach sechs Jahren an der Spitze des Verbandes nicht erneut kandidierte. Sein Nachfolger Lars Diedrich stammt vom SV Felsberg.
Stopps Rückzug ist bereits die zweite Amtsniederlegung im Ostsaar-Raum innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit. Bis August des vergangenen Jahres fungierte Klaus Weber als Kreisschiedsrichterobmann Ostsaar und war damit für die Schiedsrichter im Saarpfalz-Kreis sowie in der Stadt Neunkirchen verantwortlich. Auch er erklärte damals in einem Schreiben an die Verbandsspitze seinen sofortigen Rücktritt. Darin formulierte er deutlich: „Mir reicht es. Mein Maß ist voll und läuft über.“
Welche konkreten Gründe letztlich ausschlaggebend waren, ließ Weber offen. Auch im Nachgang wollte er sich nicht weiter dazu äußern. In seinem Schreiben erklärte der Homburger zudem: „Ich werde keine Kontaktaufnahmen dulden.“ Darüber hinaus sprach er allgemein von einer „ausgeprägten Frustration“. Mit seinem Rückzug wolle er seinen „Seelenfrieden“ wiederfinden.
Nicht nur im Ostsaar-Kreis sorgten personelle Veränderungen zuletzt für Unruhe. Bereits einige Tage zuvor war bekannt geworden, dass auch Reimer Biehl sein Amt als Vorsitzender des Fußball-Kreises Westsaar mit sofortiger Wirkung niedergelegt hatte. Der 67-Jährige aus Wadern-Wadrill stand fünf Jahre an der Spitze des Kreises und engagierte sich seit mehr als vier Jahrzehnten ehrenamtlich im Fußball. Seit 2012 war er zusätzlich in verschiedenen Gremien des SFV aktiv.
Als Grund für seinen Rücktritt führte Biehl an, dass er laut Verbandssatzung über wichtige Angelegenheiten des Spielbetriebs informiert werden müsse. Dies sei zuletzt jedoch nicht erfolgt. So sei etwa der neu gegründete VfB Dillingen im Jahr 2025 in den Saarländischen Fußballverband aufgenommen worden, ohne dass er darüber unterrichtet worden sei – obwohl die Entscheidung unmittelbar seinen Fußball-Kreis betroffen habe.




(12.06.2026)
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Statistiken & Userkommentare:


Autor:
Marc Schaber, 12. Juni 2026

Aufrufe:
384
Kommentare:
1

Kommentare:
Zu diesem Artikel sind folgende Kommentare verfügbar


 
Sascha (PID=8473)schrieb am 12.06.2026 um 21:25 Uhr
Traurig aber wahr.....es geht schon seit Jahren nicht mehr primär um den fussball sondern um Macht. Statt sinnvolle Verbandsarbeit zu leisten, ging es einigen lediglich um Macht und Einfluss. Tatsächlich müssten höhere Verbandsangestellte frei von Interessenkonflikte sein. Dh. keine parallele Tätigkeit bei einem Verein. Der ein oder andere Verein, dessen Vertreter ein Amt beim SFV haben, haben die letzten Jahre nämlich auffällig den ein oder anderen Vorteil erhalten.
 
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